Nettovermögen tracken: Excel oder YNAB? Mein System nach 7 Jahren
Excel-Tabelle vs. YNAB, der Fremdwährungs-Fallstrick mit Konten in Deutschland und der Schweiz — und wie Transaktionen fast von selbst ins Tracking laufen.
Fünf Jahre lang habe ich mein Nettovermögen in einer einfachen Excel-Tabelle geführt — mit Formeln, ein paar Charts und mehreren Updates pro Monat. Heute läuft es automatisch innerhalb meines Budget-Tools mit. In diesem Artikel zeige ich dir beide Systeme, warum ich gewechselt habe, wo es typische Schweizer Stolpersteine gibt (Fremdwährung, Bankanbindung) und wie du dein eigenes Tracking aufsetzt — egal ob als Excel-Minimalist oder mit einem Tool wie YNAB.
Warum Nettovermögen tracken überhaupt wichtiger ist als dein Kontostand
Dein Kontostand zeigt dir, wie viel Cash gerade verfügbar ist. Er sagt dir nichts darüber, ob du finanziell vorankommst. Das Nettovermögen — alles was du besitzt, minus alles was du schuldest — ist die einzige Zahl, die deinen tatsächlichen Fortschritt zeigt: Baust du Vermögen auf, oder stagnierst du, weil ein höheres Einkommen einfach durch höhere Ausgaben aufgefressen wird?
Wer regelmässig trackt, sieht Trends, bevor sie zum Problem werden — etwa wenn Konsumschulden schleichend wachsen oder ein Depot über Monate keine Fortschritte macht. Und ganz praktisch: Ohne einen sauberen Nettovermögens-Verlauf lässt sich weder deine FIRE-Zahl sinnvoll einordnen noch dein Fortschritt Richtung finanzieller Unabhängigkeit realistisch beurteilen.
Was gehört in dein Nettovermögen? Die Schweizer Bausteine
Bevor du ein System wählst, brauchst du Klarheit, was überhaupt reingehört. In der Schweiz ist die Liste etwas länger als in vielen US-Ratgebern, weil unser Vorsorgesystem dreistufig ist:
| Bereich | Beispiele | Bemerkung |
|---|---|---|
| Liquide Mittel | Bankkonten, Bargeld | Tagesaktueller Wert |
| Depots | Wertschriftendepot, ETFs, Einzelaktien | Kurswert am Stichtag |
| Kryptowährungen | BTC, ETH, etc. | Volatil — Stichtagswert reicht |
| Vorsorge | Säule 3a, Freizügigkeitskonto, ggf. PK-Altersguthaben | Oft separat ausgewiesen, da illiquide |
| Immobilien | Eigenheim, Renditeliegenschaft | Verkehrswert, nicht Kaufpreis |
| Schulden | Hypothek, Kredite, Kreditkarten-Saldo | Wird vom Bruttovermögen abgezogen |
Die Faustregel: Bruttovermögen minus Schulden = Nettovermögen. Ob du die Säule 3a und dein PK-Guthaben mitzählst, ist Geschmackssache — ich empfehle, sie separat auszuweisen, weil sie vor dem Referenzalter nicht frei verfügbar sind. Mehr dazu, wie diese Bausteine steuerlich zusammenspielen, findest du im Artikel zur Säule 3a 2026.
Liquides vs. illiquides Nettovermögen: der Financial-Runway-Blick
Eine einzige Nettovermögens-Zahl ist auf den ersten Blick beruhigend, verschleiert aber etwas Wichtiges: Wie viel davon steht dir sofort zur Verfügung, wenn du sie brauchst? Scott Trench prägt dafür in Set for Life* den Begriff Financial Runway — die Anzahl Monate, die du ohne Erwerbseinkommen überstehen könntest. Für die Schweiz lohnt es sich, dein Nettovermögen entsprechend in zwei Teile zu splitten:
- Liquides Nettovermögen (= dein Financial Runway): Bankkonten, Wertschriftendepot, Kryptobestände — alles, was du innert Tagen bis wenigen Wochen zu Geld machen kannst.
- Illiquides Nettovermögen: Eigenheim, Renditeliegenschaften, Pensionskassen-Altersguthaben, Freizügigkeitskonto, oft auch die Säule 3a — Vermögen, das langfristig wächst, dir im Notfall aber nicht sofort zur Verfügung steht.
Der Nutzen zeigt sich am Vergleich: Zwei Personen mit demselben Gesamt-Nettovermögen von CHF 300’000 können völlig unterschiedlich flexibel sein — die eine mit CHF 250’000 in einer abbezahlten Immobilie und CHF 50’000 liquide, die andere mit CHF 280’000 im Depot und nur CHF 20’000 in der Pensionskasse gebunden. Die zweite Person hat deutlich mehr Handlungsspielraum, wenn kurzfristig etwas passiert. Eine einzelne Gesamtsumme verdeckt diesen Unterschied — zwei getrennte Zahlen zeigen ihn sofort.
In Excel bildest du das einfach über zwei zusätzliche Summenzeilen ab; in YNAB, indem du deine Tracking Accounts in zwei Gruppen — „Liquide Assets“ und „Illiquide Assets“ — organisierst.
Zwei Wege, dein Nettovermögen zu tracken
Weg 1: Die Excel-Tabelle — mein System für 5 Jahre
Bevor ich wieder konsequent budgetiert habe, habe ich ausschliesslich mein Nettovermögen getrackt — kein Budget, keine Ausgabenkategorien. Nur eine Tabelle: eine Spalte pro Monat, eine Zeile pro Konto/Asset, ganz rechts eine Summenformel und ein Liniendiagramm darüber. Das hat mir fünf Jahre lang völlig gereicht.
- Kostenlos und in fünf Minuten aufgesetzt (Google Sheets oder Excel)
- Volle Kontrolle über Kategorien und Darstellung
- Kein Tool-Abo, keine Bankverbindung nötig
Wo es an Grenzen stösst:
- Alles ist manuell — du musst dich selbst monatlich hinsetzen
- Kein Zusammenhang zu deinen tatsächlichen Ausgaben; das Nettovermögen bewegt sich, aber du siehst nicht, warum
- Bei mehreren Währungen (dazu gleich mehr) musst du Umrechnungskurse pflegen und historisieren
Für alle, die nur den groben Vermögensverlauf sehen wollen, ohne ein Budget zu führen, ist die Excel-Lösung nach wie vor völlig ausreichend. Ich habe sie erst verlassen, als ich wieder anfing, konsequent zu budgetieren.
Weg 2: YNAB — Budget und Nettovermögen aus einem Guss
Seitdem ich konsequent budgetiere und meine Ausgaben in YNAB* tracke, aktualisiert sich mein Nettovermögen automatisch innerhalb des Tools — als Nebenprodukt meines Budgets, nicht als separate Fleissarbeit.
Der entscheidende Vorteil: Budget und Nettovermögen sind immer auf demselben Stand. Wenn ich eine Ausgabe verbuche, sehe ich sofort, wie sich das auf mein Gesamtvermögen auswirkt — nicht erst am Monatsende, wenn ich mich an die Excel-Tabelle erinnere.
Technisch funktioniert das über sogenannte Tracking Accounts: Neben deinen normalen Budget-Konten (Girokonto, Kreditkarte) legst du in YNAB zusätzliche Konten an, die nicht Teil des monatlichen Budgets sind, aber trotzdem in der Nettovermögens-Ansicht auftauchen — zum Beispiel dein Wertschriftendepot, deine Kryptowallet oder eine Immobilie. Diese aktualisierst du manuell (z. B. monatlich), während deine Bankkonten laufend automatisch mitlaufen.
Falls du dich fragst, ob sich der Umstieg lohnt: Wenn du sowieso ein Budget führen willst, ist die automatische Nettovermögens-Ansicht ein Gratis-Nebeneffekt. Wenn du nur den Vermögensverlauf sehen willst und kein Budget führen möchtest, bleibt Excel die schlankere Lösung.
Der Praktiker-Fallstrick: Fremdwährung zwischen Deutschland und der Schweiz
Ein Punkt, den ich in keiner Tool-Werbung gefunden habe, bevor ich ihn selbst erlebt habe: YNAB kann pro Budget nur eine Basiswährung. Wer wie ich noch Konten oder Immobilien oder Konten in Deutschland hat, bekommt hier ein kleines Problem — das ist in YNAB aktuell noch nicht ideal gelöst.
So handhabe ich es in der Praxis:
- Hauptbudget in CHF — mein eigentliches Alltagsbudget, alle Schweizer Konten
- Nebenbudget in EUR — für die deutschen Konten und Vermögenswerte, getrennt geführt
- Das EUR-Nettovermögen führe ich vollständig innerhalb des CHF-Budgets als Asset (Tracking Account) — die deutschen Positionen trage ich dort manuell umgerechnet und aktualisiert ein
- Depots und Kryptobestände führe ich ebenfalls als eigene Assets im CHF-Budget, unabhängig vom Nebenbudget
Das ist kein perfekter Automatismus, aber es hält die Struktur sauber: Ein Budget bleibt für den Alltag, ein Ort bleibt für die Gesamtvermögensübersicht.
Wie deine Transaktionen automatisch reinkommen
Der grösste Zeitfresser beim manuellen Tracking der Ausgaben ist nicht das Rechnen, sondern das Eintippen jeder einzelnen Transaktion. Zwei Punkte haben das bei mir fast auf null reduziert:
Revolut statt Cashback-Karte. Seit ich anstelle meiner klassischen Cashback-Kreditkarten konsequent Revolut nutze, fliessen praktisch alle Transaktionen automatisch in mein Budget. Übrig bleiben nur die wenigen Bartransaktionen, welche ich manuell nachtrage.
Datei-Import statt Direktverbindung. Für Schweizer Bankkonten gibt es kaum bis keine Direktverlinkung zu Budget-Tools — anders als in den USA, wo Banken oft direkt an Tools wie YNAB angebunden sind. Für den Import meiner Kontotransaktionen nutze ich deshalb die File-Upload-Funktion: Ich lade regelmässig einen Kontoauszug von der Bank-Website herunter (unterstützt werden i. d. R. QIF und CSV, empfohlen OFX/QFX) und importiere ihn ins Tool. Duplikate, die durch manuelle Einträge entstehen, werden dabei automatisch abgeglichen und übersprungen.
Auch ohne direkte Bankanbindung lässt sich der manuelle Aufwand drastisch senken: Wenn ein Grossteil deiner Ausgaben über eine Karte läuft, die sauberen CSV-Export liefert (z. B. Revolut), bleibt nur ein kleiner Rest an Bartransaktionen zum Nacherfassen übrig.
Schritt für Schritt: Nettovermögen-Tracking aufsetzen
Bestandsaufnahme machen
Liste alle Konten, Depots, Vorsorgekonten, Immobilien und Schulden auf — einmalig, aber vollständig.
System wählen
Nur Vermögensverlauf sehen wollen → Excel/Google Sheets reicht. Auch budgetieren wollen → ein Tool wie YNAB, das Budget und Nettovermögen verbindet.
Konten anbinden oder importieren
Wo möglich automatisch (z. B. Revolut), sonst per CSV-/QIF-Import von der Bank-Website.
Liquide & illiquide Positionen als eigene Assets führen
Depots, Kryptobestände, Immobilien, Vorsorgekonten separat erfassen und manuell in sinnvollem Rhythmus (z. B. monatlich) aktualisieren. Erfasse dabei nur den Gesamtwert des Depots, nicht jede einzelne Position — der Mehraufwand, jede Aktie oder jeden ETF einzeln zu pflegen, lohnt sich für die Nettovermögens-Übersicht in aller Regel nicht.
Fremdwährungen sauber trennen
Bei Konten in mehreren Währungen ein Hauptbudget in deiner Referenzwährung führen und Fremdwährungskonten separat oder als umgerechnete Assets abbilden.
Festen Rhythmus setzen
Ob wöchentlich oder monatlich — wichtig ist Konsequenz, nicht Häufigkeit.
Excel oder YNAB — was passt zu dir?
| Kriterium | Excel/Google Sheets | YNAB |
|---|---|---|
| Kosten | Kostenlos | Kostenpflichtiges Abo |
| Budget inklusive | Nein, separat nötig | Ja, integriert |
| Automatischer Kontoimport | Nein, manuell | Ja (Direktanbindung wo verfügbar, sonst CSV/QIF-Upload) |
| Aufwand pro Monat | Höher (manuelles Eintragen) | Niedriger (läuft laufend mit) |
| Ideal für | Wer nur Vermögensverlauf sehen will | Wer Budget und Vermögen gemeinsam führen will |
| Mehrwährungsfähigkeit | Volle Kontrolle, aber manuell | Ein Budget = eine Basiswährung, Workaround nötig |
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Was kostet YNAB?
YNAB ist ein kostenpflichtiges Abo-Modell (monatlich oder günstiger im Jahresabo, Preise direkt auf der YNAB-Webseite* einsehbar). Ein Punkt, der sich in der Praxis lohnt: YNAB hat ein Freundschaftswerbungs-Programm — wenn jemand über deinen Link ein Abo abschliesst, erhaltet ihr beide einen Gratismonat. Wer YNAB ohnehin ausprobieren möchte, verliert dadurch nichts.
Häufige Fehler beim Nettovermögen-Tracking
- Nur das Depot tracken, Schulden vergessen. Nettovermögen heisst immer brutto minus Schulden — sonst ist die Zahl geschönt. Das gilt auch für offene Kreditkarten-Salden: Sie zählen genauso als Schulden wie eine Hypothek, auch wenn sie sich unauffälliger anfühlen.
- Zu oft aktualisieren. Tägliches Prüfen des Depotwerts erzeugt Stress ohne Erkenntnisgewinn. Monatlich reicht für die meisten.
- Vorsorgeguthaben mit liquidem Vermögen vermischen. Säule 3a und PK-Guthaben sind vor dem Referenzalter kaum verfügbar — separat ausweisen schafft Klarheit.
- Kein festes System. Ein Tool, das nach zwei Monaten wieder verwaist, bringt weniger als eine simple Excel-Tabelle, die konsequent gepflegt wird.
Häufige Fragen
Reicht eine Excel-Tabelle wirklich aus?
Ja — wenn du kein Budget führen willst, sondern nur den Vermögensverlauf sehen möchtest. Sieben Jahre lang war das bei mir der Fall.
Muss ich mein Nettovermögen jeden Tag aktualisieren?
Nein. Ein monatlicher Rhythmus reicht für die meisten Ziele völlig aus und verhindert, dass kurzfristige Kursschwankungen unnötig Stress auslösen.
Wie gehe ich mit Konten in Fremdwährung um?
Ein Hauptbudget in deiner Referenzwährung führen, Fremdwährungskonten entweder als separates Budget oder als umgerechnete Assets im Hauptbudget abbilden. Mühsam wird es vor allem dann, wenn einzelne Transaktionen zu unterschiedlichen Wechselkursen abgewickelt werden — in dem Fall lohnt sich eine grobe, aber konsequent gepflegte Monatsumrechnung meist mehr als der Versuch, jeden Kurs exakt nachzuvollziehen. Siehe oben unter „Praktiker-Fallstrick“.
Gehört die Säule 3a ins Nettovermögen?
Grundsätzlich ja, da es dein Vermögen ist — ich empfehle aber, sie separat auszuweisen, weil sie vor dem Referenzalter nicht frei verfügbar ist.
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