Geldglas mit CHF Münzen und Notizbuch mit Aufschrift Notgroschen auf Holztisch mit Schweizer Alpenlandschaft

Bevor du ein Depot eröffnest, bevor du die Säule 3a füllst, bevor du deinen ersten ETF kaufst — musst du deinen Notgroschen anlegen. Nicht als Versicherung gegen schlechte Laune, sondern als Fundament für alles andere. Wer keine Liquidität hat, trifft daher unter Druck schlechte Entscheidungen. Wer sie hat, hat Optionen.

Was ist ein Notgroschen?

Ein Notgroschen ist eine liquide Geldreserve, die ausschliesslich für echte Notfälle reserviert ist. Er liegt deshalb auf einem separaten Konto — getrennt vom Alltagskonto, getrennt vom Investitionsdepot.

Was als Notfall zählt: Jobverlust, Krankheit oder Unfall, eine defekte Heizung im Winter, eine unvorhergesehene Autoreparatur. Was nicht darunter fällt: Spontanurlaub, ein günstiges Smartphone-Angebot oder eine vermeintlich zu gute Investitionsgelegenheit.

Zusammengefasst

Der Notgroschen ist kein Investitionsinstrument und keine Sparmethode — er ist dein finanzieller Puffer gegen das Leben. Alles, was Liquidität erfordert, aber kein echter Notfall ist, gehört in eine andere Kategorie. Das Ziel beim Notgroschen anlegen ist deshalb einzig Liquidität — nicht Rendite.

Mehr als Sicherheit: Der Notgroschen kauft Optionen

Eine liquide Reserve von 6 bis 12 Monaten verändert nicht nur, wie sicher du dich fühlst — sie verändert, welche Entscheidungen du dir leisten kannst. Das ist der eigentliche Wert eines Notgroschens: nicht Absicherung, sondern Handlungsspielraum.

Drei konkrete Beispiele aus dem Schweizer Alltag:

  • Jobwechsel: Ein lukrativeres, aber risikoreicheres Angebot annehmen? Mit 6 Monaten Runway kein Problem — ohne Puffer ein Glücksspiel. Wie viele Monate Freiheit dein Vermögen heute kauft, zeigt der Financial Runway Kalkulator.
  • Verhandlungsposition: Wer im Job auf den nächsten Lohn angewiesen ist, dessen Verhandlungsposition ist schwach. Wer 6 Monate Zeit hat, verhandelt auf Augenhöhe.
  • Börsenkrise: Wenn dein Depot 30% im Minus ist, musst du keine ETFs verkaufen, um laufende Kosten zu decken — du kannst aussitzen. Günstig nachkaufen kannst du danach mit Mitteln, die du dafür separat vorgesehen hast. Der Notgroschen selbst bleibt in jedem Fall unangetastet.

In der FIRE-Logik gilt: Der Notgroschen ist der Unterschied zwischen „Ich muss“ und „Ich kann“. Auch wer ein solides Depot hat, ist daher ohne Liquiditätspuffer abhängiger als nötig.

Wie hoch sollte der Notgroschen sein?

Die Faustregel lautet: 3 bis 6 Monate notwendiger Lebenshaltungskosten. Notwendig bedeutet dabei: Miete, Krankenkassenprämien (plus Rücklage für die Franchise), Lebensmittel, Pflichtversicherungen, Basisabonnements. Nicht gemeint sind: Restaurants, Hobbys, Ferien.

Wichtig

Rechne den Notgroschen auf Basis deiner notwendigen Ausgaben, nicht deines gesamten Monatsbudgets. Im Notfall streichst du Luxusausgaben sofort — die Miete bleibt.

Wie viel Notgroschen als Single

Ausgabe Standard FIRE-optimiert
Miete1-Zimmer vs. WG-Zimmer CHF 1’400 CHF 850
KrankenkasseGrundversicherung, hohe Franchise CHF 420 CHF 290
LebensmittelMeal Prep, günstigere Läden CHF 400 CHF 300
Transport / ÖVoptimiertes Abo / Velo CHF 150 CHF 100
Strom, Telefon, Internetgünstige Abos CHF 130 CHF 80
Notwendige Monatsausgaben CHF 2’500 CHF 1’620
Notgroschen-Ziel (3 Monate) CHF 7’500 CHF 4’860
Notgroschen-Ziel (6 Monate) CHF 15’000 CHF 9’720
Der FIRE-Doppelhebel: Wer seine grossen Kostenblöcke optimiert hat, braucht einen CHF 5’280 kleineren Notgroschen (6 Monate). Weniger notwendige Ausgaben bedeuten eine höhere Sparquote und einen schneller erreichbaren Sicherheitspuffer — gleichzeitig.

In Zürich oder Genf fallen die Mieten generell höher aus. Das wirkt sich entsprechend auf die Notgroschen-Ziele aus.

Wie viel Notgroschen als Paar

Ausgabe Standard FIRE-optimiert
Miete3-Zimmer vs. günstigere Lage/Wohnform CHF 2’100 CHF 1’500
Krankenkasse (2 Personen)hohe Franchise CHF 840 CHF 580
Lebensmittel CHF 700 CHF 500
Transport (2 Personen) CHF 260 CHF 180
Strom, Telefon, Internet CHF 200 CHF 120
Notwendige Monatsausgaben CHF 4’100 CHF 2’880
Notgroschen-Ziel (3 Monate) CHF 12’300 CHF 8’640
Notgroschen-Ziel (6 Monate) CHF 24’600 CHF 17’280

Verdienen beide Partner, reichen 3 Monate zwar oft aus — verliert aber einer den Job, ist der 6-Monats-Puffer deutlich sicherer. Die FIRE-optimierte Kostenstruktur spart beim Paar zudem CHF 7’320 Notgroschen (6 Monate-Ziel).

Wie viel Notgroschen als Familie

Empfehlung für Familien

Familien sollten mindestens 6 Monate anstreben. Kinderbetreuung, Schulkosten und Gesundheitsausgaben erhöhen die notwendigen Fixkosten — gleichzeitig trifft ein Jobverlust die ganze Familie sofort. Bei CHF 6’500–8’000 notwendigen Monatsausgaben liegt das Notgroschen-Ziel bei CHF 39’000 bis CHF 48’000.

Steuern in diesen Berechnungen: Die Tabellen enthalten bewusst keine Steuern — die Steuerbelastung variiert stark nach Einkommen, Vermögen, Familienstand und Kanton. Wer regelmässig Akonto-Zahlungen leistet (gilt für Selbständige sowie Personen mit hohem Kapital- oder Vermögenseinkommen), sollte die monatliche Steuerrücklage in seine Notgroschen-Berechnung einbeziehen.

Notgroschen anlegen: Deine persönliche Formel berechnen

Den Notgroschen zu berechnen geht in drei Schritten:

  1. Addiere alle Ausgaben, die du im Notfall nicht sofort eliminieren kannst: Miete, Pflichtversicherungen, Grundnahrung, Krankenkasse, Mindestmobilität.
  2. Multipliziere mit 3 für das absolute Minimum, mit 6 für den soliden Puffer.
  3. Ziehe ab, was bereits auf einem separat geführten, jederzeit verfügbaren Konto liegt.
Notgroschen-Ziel = Notwendige Monatsausgaben × 3 bis 6

Das Ergebnis ist dein persönlicher Zielwert. Ändern sich deine Fixkosten allerdings — neue Wohnung, Familienzuwachs, steigende Krankenkassenprämien — muss auch der Notgroschen nach oben angepasst werden.

Notgroschen anlegen und aufbauen — Schritt für Schritt

Wer heute noch keinen Notgroschen hat, muss ihn nicht auf einen Schlag anlegen. Ein systematischer Aufbau mit Dauerauftrag über 6 bis 18 Monate ist nachhaltiger — und funktioniert auch dann, wenn das Budget knapp ist.

1

Notwendige Monatsausgaben ermitteln

Kontoauszug der letzten drei Monate durchgehen und alle Positionen markieren, die du im Notfall nicht sofort streichst. Das ist deine Berechnungsbasis. Tipp: Schau auch einmal kurz auf den Januar, um allfällige jährliche Ausgaben zu prüfen.

2

Separates Konto einrichten

Nicht auf dem Alltagskonto parken. Entweder ein neues Sparkonto eröffnen oder ein bestehendes Konto klar für diesen Zweck umnutzen — idealerweise mit gutem Zinssatz und unter der Rückzugslimite.

3

Dauerauftrag einrichten

Monatlich einen fixen Betrag automatisch überweisen. Nicht manuell, nicht diskutieren — einfach automatisch. Was nicht sichtbar auf dem Alltagskonto liegt, wird nicht ausgegeben.

4

Konsequent nicht anfassen

Der Notgroschen ist kein Reservebudget für Spontanausgaben. Nur bei echten Notfällen abrufen — und danach sofort wieder auffüllen.

5

Jährlich überprüfen

Neue Wohnung, Familienzuwachs, höhere Krankenkassenprämien? Dann muss auch der Notgroschen-Betrag nach oben angepasst werden. Einmal im Jahr reicht.

Kostenlos

Schweizer Finanzwissen — regelmässig in deine Inbox

Der Newsletter für Schweizer, die ihr Geld ernst nehmen — FIRE, Steuern, Investieren. Klar, konkret, ohne Bullshit.

  • FIRE-Planung mit Schweizer Realität (AHV, BVG, CHF)
  • Steueroptimierung mit echten Zahlen
  • BVG- und Säule-3a-Strategien praxisnah erklärt
  • Innenperspektive eines Bank-Controllers

Kein Spam. Jederzeit abmeldbar.

Sparkonto in der Schweiz: Die Rückzugslimite verstehen

Schweizer Sparkonten haben in der Regel eine Rückzugslimite — einen Betrag, den du pro Jahr (oder Quartal) kostenfrei abheben kannst. Wer darüber hinaus Geld abhebt, zahlt eine Bezugsgebühr — typischerweise 0.5–2% auf den Überziehungsbetrag. Diese Regelung ist zudem regulatorisch vorgegeben und deshalb bei praktisch allen Schweizer Banken ähnlich.

Die Höhe der Rückzugslimite ist je nach Bank und Kontoart unterschiedlich. Auch unterschiedlich ist, für welchen Zeitraum die Rückzugslimite gilt (pro Monat/Quartal/Jahr). Beides hat einen direkten Einfluss darauf, wie du deinen Notgroschen idealerweise strukturierst.

Praxisbeispiel

Deine Bank erlaubt CHF 20’000 Rückzug pro Jahr. Dein Notgroschen beträgt CHF 20’000. Du verlierst im März deinen Job und brauchst CHF 18’000 für die nächsten 6 Monate — alles innerhalb des Limits, keine Gebühr. Wäre dein Notgroschen CHF 32’000 und du müsstest den Grossteil abrufen, zahlst du auf CHF 12’000 eine Gebühr — ausgerechnet dann, wenn jeder Franken zählt.

Infografik Sparkonto Rückzugslimite Schweiz: grüne Zone kostenloser Bezug, rote Zone mit Gebühr darüber
Rückzugslimite Schweizer Sparkonto: Unterhalb der Limite (grün) kostenfreier Bezug, darüber (rot) fällt eine Gebühr an.

Drei Wege, um das Rückzugslimite-Problem zu umgehen:

  • Unter der Limite bleiben: Notgroschen bewusst knapp unterhalb der Limite halten.
  • Konto ohne Limite wählen: Gewisse Banken bieten Sparkonten ohne Rückzugslimite — immer direkt beim Anbieter prüfen.
  • Auf mehrere Konten verteilen: Zwei kleinere Beträge bei zwei verschiedenen Anbietern — beide unter deren jeweiliger Limite. Erhöht ausserdem die Ausfallsicherheit.

Notgroschen anlegen: Zinsstarke Alternativen im Vergleich

Das klassische Sparkonto bei einer Schweizer Bank bietet heute typischerweise 0.05–0.50% Zinsen. Bei einem Notgroschen von CHF 20’000 sind das allerdings nur CHF 10–100 pro Jahr — bevor die Teuerung den Realwert weiter mindert.

Wer seinen Notgroschen sinnvoll anlegen möchte, hat dabei bessere Möglichkeiten, die trotzdem die nötige Liquidität erhalten:

Option Zinssatz (ca.) Liquidität Als Notgroschen?
Sparkonto BankUBS, ZKB, Raiffeisen u.a. 0.05–0.50% Sofort (bis Limite) Ja — empfehlenswert trotz tiefer Rendite
Geldmarktfonds CHFvia Broker, SARON-basiert ~SARON − Kostenca. 0.05–0.40% netto 1–3 Werktage Bedingt — siehe Hinweis
KassenobligationLaufzeit 1–5 Jahre 0.80–2.00% Nicht flexibel Nein — zu illiquide
Säule 3agebundene Vorsorge steuerlich optimiert Nur unter Bedingungen Nein — falsche Kategorie

Richtwerte Stand Juli 2026. Zinssätze hängen von der SNB-Zinspolitik ab und können sich jederzeit ändern. Eigene Konditionen immer direkt beim Anbieter prüfen.

Hinweis zu Geldmarktfonds CHF

SARON-basierte Geldmarktfonds in CHF klingen attraktiv — aber in einem Tiefzinsumfeld (SNB-Leitzins ≤ 0.50%) ist der Vorteil gegenüber einem guten Sparkonto nach Transaktionsgebühren und Verwaltungskosten (TER typisch 0.10–0.20%) oft minimal oder sogar negativ. Dazu kommen zwei weitere Einschränkungen: Die Fondsanteile können leicht im Wert schwanken (auch wenn CHF-Geldmarktfonds sehr stabil sind), und die Auszahlung dauert 1–3 Werktage.

Als Notgroschen-Instrument sind Geldmarktfonds deshalb nur sinnvoll, wenn der SNB-Leitzins deutlich über 1% liegt und der Notgroschen gross genug ist, dass die Kostenersparnis die Transaktionsgebühren übersteigt. Im aktuellen Zinsumfeld der Schweiz ist ein gutes Sparkonto bei einer Bank die einfachere und häufig bessere Wahl.

Was nicht in den Notgroschen gehört

Die häufigsten Fehler beim Notgroschen betreffen allerdings nicht die Höhe, sondern die Anlageform. Drei Kategorien sind definitiv ungeeignet:

Häufige Fehler
  • Säule 3a: Gebunden bis zur Pensionierung oder zu bestimmten Ausnahmesituationen. Im echten Notfall kein Zugriff möglich.
  • BVG / Pensionskasse: Ebenfalls illiquide. Vorbezug ist nur für Wohneigentum, Selbständigkeit oder Wegzug ins Ausland möglich — nicht für Jobverlust oder Krankheit.
  • ETF- oder Aktien-Depot: Das Depot ist genau dann am niedrigsten bewertet, wenn du es am dringendsten brauchst. Zwangsverkäufe zu Tiefstpreisen kosten dauerhaft Vermögen — das folgende Rechenbeispiel zeigt, wie viel.
Rechenbeispiel
Der versteckte Preis des fehlenden Notgroschens
ETF-Depot vor dem CrashCHF 50’000
Börsencrash −40% (historisch wiederkehrend)CHF 30’000
Notfall-Bedarf (z.B. Jobverlust)CHF 20’000
→ Zwangsverkauf aus Depot−CHF 20’000
Depot nach VerkaufCHF 10’000
Markt erholt sich vollständig (+67%)CHF 16’700
Mit Notgroschen: Depot hätte sich erholt aufCHF 30’000
Dauerhafter Verlust durch fehlenden Notgroschen−CHF 13’300

CHF 13’300 — der stille Preis, den man zahlt, weil man das Depot als Puffer missbraucht hat. Zudem ist das nur ein einmaliger Einbruch: Wer in zwei Krisen verkaufen muss, verliert entsprechend mehr.

Der Notgroschen ist die einzige Kategorie, bei der Rendite bewusst hinter Liquidität und Sicherheit zurücksteht. Das ist folglich kein Fehler — das ist der Punkt.

Fazit: Erst Fundament, dann Aufbau

Wer den Notgroschen sinnvoll anlegt — auf einem gut verzinsten Sparkonto unter der Rückzugslimite oder aufgeteilt auf zwei Konten bei verschiedenen Anbietern — schafft damit keine langweilige Pflichtübung. Es ist vielmehr die Voraussetzung dafür, dass alle anderen finanziellen Entscheidungen aus einer Position der Stärke statt aus Zwang getroffen werden.

Der optimale Notgroschen in der Schweiz: 3–6 Monatsausgaben, auf einem gut verzinsten Konto unter der Rückzugslimite, konsequent von allem anderen getrennt.

Sobald der Notgroschen steht, ist schliesslich der nächste Schritt die eigene FIRE-Zahl: Wie viel Vermögen brauchst du, damit dein Portfolio deinen Lebensstil dauerhaft trägt?

🧮
Weiterführender Artikel
FIRE-Zahl berechnen für Schweizer: 4 Praxisbeispiele mit AHV und BVG
🏔️
Vollständiger Leitfaden
Die FIRE-Bewegung: Was sie wirklich bedeutet — und wie sie in der Schweiz funktioniert
Keine Anlageberatung. Ich teile meine persönliche Meinung und wie ich selbst über Finanzen denke. Die Inhalte dienen ausschliesslich der allgemeinen Information und Bildung. Triff eigene Entscheidungen und konsultiere bei Bedarf einen Treuhänder oder Steuerberater.